Gesundheitswesen
Datei laden (MP3, 9:44 min., 4.5 MB)
Gesundheitswesen und Klimawandel: Energie sparen, klimaschädliche Gase und damit Kosten reduzieren, Potential für das Wesentliche gewinnen
ml

Abb. 1: Kraftwerke am Horizont.
Auch das Gesundheitswesen
benötigt Energie. Zuzeit
finanzieren Krankenversicherte
und Steuerzahler indirekt den
CO2-Ausstoß mit.

Das Thema Klimaerwärmung ist in aller Munde. Der UN-Klimabericht 2007 zeigt in drastischer Weise auf, dass der Mensch jetzt handeln muss. Das bedeutet auch: Das Gesundheitswesen muss sich so schnell wie möglich an der Reduktion klimaschädlicher Gase beteiligen. Der BUND Berlin e.V. weist auf seiner Internetseite darauf hin, dass allein die Krankenhäuser bundesweit circa 600 Millionen Euro an Energiekosten einsparen und dabei jährlich 6 Millionen Tonnen umweltschädliches Kohlendioxid vermeiden können. Und das mit drei wichtigen positiven Effekten: Kostensenkung, Schaffung neuer Arbeitsplätze und Schonung des Weltklimas. Doch erscheint ebenso wichtig, die Reduktion der Energiekosten auch im Sinne der Krankenversicherten und Steuerzahler zu sehen. Schließlich sind sie es, die mit ihren monatlichen Abgaben zum Beispiel energieineffiziente Gebäude und klimaerwärmende Techniken zur Stromerzeugung mitfinanzieren und damit indirekt zur Erderwärmung beitragen. Es dürfte also im starken Interesse der Versicherten und damit der Krankenkassen liegen, auf eine rasche Umstellung auch im Gesundheitswesen zu drängen. {...}
Der BUND vergibt das Gütesiegel “Energiesparendes Krankenhaus” und wirbt so für das herausragende Engagement im Bereich der Enerieeinsparung und des Klimaschutzes in Krankenhäusern. {...} Telefoninterview (vom 9.Mai 2007) mit Dipl. Ing. Mechthild Zumbusch, Leiterin des Projektes “Energiesparendes Krankenhaus” des BUND-Berlin.
{...}

Abb. 2: Solar- und
Photovoltaikanlage. Viele
Gebäude bieten auf den
freien Dachflächen Platz
für klimaschützende
Technik.

Was können wir tun? Was habe ich davon?
Um es auf den Punkt zu bringen: Jeder ist jetzt in der Pflicht, in seinem Bereich die erforderlichen Entscheidungen zu treffen und seine Kollegen auf die Möglichkeiten der Reduktion von Treibhausgasen aufmerksam zu machen. Das Wunderbare: Es rechnet sich in jeder Hinsicht: Mittelfristig erfolgt eine Reduktion der laufenden Energiekosten im Gesundheitswesen. Damit wird Potential frei für jene Aufgaben und Ziele, für die das Gesundheitswesen überhaupt existiert.Im Kasten sind einige Maßnahmen beispielhaft aufgeführt. Frei nach der Devise: “Net lange babbele, mache!”. Machen Sie doch auch mit! {...} Es existieren viele Möglichkeiten, sich an der Reduktion der Treibhausgase zu beteiligen. Lassen Sie sich entsprechend Ihren Gegebenheiten beraten.
Strukturen für den Klimaschutz ändern
Ebenso wichtig ist aber auch, strukturelle Bedingungen zu schaffen, die es den Struktureinheiten – wie zum Beispiel den Krankenhäusern – ermöglicht, längerfristig zu planen. Investitionen in den Klimaschutz müssen kalkulierbar sein und belohnt werden, damit sich die Potentiale für die eigentlichen Aufgaben entfalten können. Zum Beispiel sollte sich das Engagement für jene Krankenkassen und Versicherungen auszahlen, die Krankenhäuser in Ihrem Bemühen um den Klimaschutz unterstützen. ... Letztlich stellt sich die Frage, ob es nicht sogar im Interesse der Versicherten liegt, den Klimaschutz gesetzlich verstärkt im Sozialgesetzbuch zu verankern um so den klimaschützenden Umbau des Gesundheitswesens voranzutreiben und langfristig die Ausgaben zu senken. Damit könnten Gelder freigesetzt werden, die das Gesundheitswesen für seine eigentlichen Aufgaben dringend benötigt.Jetzt handeln

Abb. 3: Thermografie.
Wärmeverluste darstellen
... Ein wichtiger Schritt vor
der Sanierung älterer
Gebäude
Quellen: Abbildungen 1 u. 2 dmr., Abbildung 3 mit freundlicher Genehmigung des iTHERM Ingenieurbüros für thermografische Untersuchungen Seifert & Hofmann GbR, Grefrath,
Links:
- Energiesparendes Krankenhaus

- Projekt des BUND Berlin e.V.
- Mit dem BUND-Gütesiegel "Energiesparendes Krankenhaus" ausgezeichnete Krankenhäuser

- LichtBlick - die Zukunft der Energie GmbH & Co. KG

- Ökostromanbieter
- Greenpeace energy eG

- Ökostromanbieter
- Ökostrommarke der Stadtwerke

- Loremo AG

- Entwickelt zurzeit ein Auto mit 1,5 l Verbrauch auf 100 km
- Finanztest

- Die Zeitschrift Finanztest veröffentlicht regelmäßig einen Vergleich der Ökostromanbieter
- Verbraucherzentralen

- Intergovernmental Panel On Climate Change

- UMSICHT: zur Sache! Rundum gesund: Energieeffizienz in Krankenhäusern II

- Workshop des Fraunhofer Instituts Umwelt-, Sicherheits-, Energietechnik UMSICHT
- Veranstaltungsflyer zum Workshop am 10.5.2007

- 10.05.2007 14:00-18:00: UMSICHT: zur Sache! Rundum gesund: Energieeffizienz in Krankenhäusern II
- Workshop des Fraunhofer Instituts Umwelt-, Sicherheits-, Energietechnik UMSICHT
- Finanztest zum Thema Standby

- Klimaschutz: Wie Krankenhäuser ihren CO2-Ausstoß reduzieren

- Deutsches Ärzteblatt 104, Ausgabe 12 vom 23.03.2007, Seite A-766 / B-676 / C-650
- Improved Surface Temperature Prediction for the Coming Decade from a Global Climate Model (Science 10 August 2007: Vol. 317. no. 5839, pp. 796 - 799)

- Neues Rechenmodell, das natürliche Schwankungen und aktuelle Messdaten in die Vorhersagen einbezieht. Demnach sollen mindestens die Hälfte der Jahre zwischen 2009 und 2014 im Durchschnitt wärmer werden als 1998 (Wärmerekordjahr).
- Klimaforscher prophezeien Hitzerekorde in Serie

- Beitrag bei SPIEGEL ONLINE zum neuen Rechenmodell der britischen Klimaforscher.
- iTHERM Ingenieurbüro für thermografische Untersuchungen Seifert & Hofmann GbR

- Regeneratives Kombikraftwerk

- Sichere Energieversorgung durch Erneuerbare Energie
Klimaschutz jetzt! ... Auch im Gesundheitswesen! |
Was kann ich als Arzt und Praxisinhaber tun?
– Stellen Sie Ihre Praxisräume auf regenerativen Strom um.– Informieren Sie Ihre Patienten, dass Ihre Praxis mit regenerativen Strom betrieben wird oder dass das Gebäude, in dem sich Ihre Praxisräume befinden, besonders gut wärmeisoliert ist.
– Wirken Sie auf Ihren Vermieter ein. Sprechen Sie mit Ihm über Maßnahmen, die zur Reduktion der Heizkosten führen. Eine Wärmeisolierung, die Installation einer Solaranlage auf dem Dach des Hauses zur Unterstützung der Warmwasserproduktion ist sinnvoll und rechnet sich. Eine Möglichkeit der Finanzierung solcher Maßnahmen besteht darin, die Reduktion der Nebenkosten in eine mäßige Mieterhöhung einzurechnen. Dadurch bleiben die absoluten Kosten für den Mieter gleich, der ökologische Umbau finanziert sich über die Ennergieeffizienz und der Wert der Immobilie steigt sogar. Es entsteht also eine win-win-Situation für alle Beteiligten.
Was kann die Verwaltung tun?
– Die Zeiten sind für Krankenhäuser nicht gerade einfach. Umso wichtiger erscheint es, die laufenden Kosten zu senken, um das Überleben zu sichern. Eine Reduktion der Energiekosten durch Isolierungsmaßnahmen, Umstellung der Energieversorgung auf regenerative Energien führen zu einem Wettbewerbsvorteil, der sich mittelfristig rechnet.– Nutzen Sie die Umstellung ruhig als Werbung für Ihr Krankenhaus. Die Patienten danken es Ihnen, wenn Sie sich an der Reduktion der laufenden Kosten durch Energiesparmaßnahmen Ihres Hauses beteiligen und damit Potential für zukünftige Investitionen in die Versorgung der Patienten ermöglichen.
– Nutzen Sie den Dialog mit Experten aus Wissenschaft und Industrie.
Was können die Krankenkassen tun?
– Stellen Sie die Gebäude auf regenerative Energien um.– Sorgen Sie für die Reduktion der Energiekosten durch Wärmeisolierung der Gebäude.
– Unterstützen Sie die Krankenhäuser in ihrem Bestreben, den Umbau zur Reduktion der Treibhausgase zu vollziehen. Es liegt im Interesse der Versicherten, die Energiekosten im Gesundheitswesen zu senken.
– Informieren Sie in Ihren Zeitschriften die Patienten über die ökologischen Maßnahmen. Eine Krankenkasse, die ökologische Maßnahmen unterstützt, wird in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil haben.
Was können Universitätskliniken und Universitäten tun
– Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, den Ruf Ihrer Universität bzw. Ihres Univerersitätsklinikum zu verbessern? Beziehen Sie Ihre Studenten beim ökologischen Umbau mit ein. Weisen Sie in der Rechnung zum Studentenbeitrag darauf hin, dass Ihre Universität regenerativen Strom bezieht und fordern Sie Ihre Studenten auf, mitzumachen.– Stellen Sie möglichst viele Dächer für Solar- und Photovoltaikanlagen zur Verfügung. (Bei einigen Installationen hat dies übrigens auch einen Nebeneffekt zur Folge, den man anfangs nicht bedenkt: Die Räume unter dem Dach werden durch die Abschattung der Anlagen im Sommer angenehm kühl.)
– Überlegen Sie sich ein Konzept, Ihre Studenten an den Kosten und den Gewinnen für die Photovoltaikanlagen zu beteiligen.
– Führen Sie Maßnahmen zur Wärmeisolierung durch.
Was können die Patienten tun?
– Machen Sie mit! Häufig wird das Argument angeführt, dass man als Mieter keine Möglichkeiten habe, sich an der Reduktion der Treibhausgase zu beteiligen. Dies ist definitiv falsch. Seit der Liberalisierung des Strommarktes besteht die Möglichkeit, den Stromanbieter frei zu wählen. Sie können also entscheiden, welchen Strom sie beziehen.– Sie sind Vermieter oder Hausbesitzer: Dann können Sie viel tun. Sprechen Sie mit den Verbraucherzentralen. Diese erstellen zum Beispiel auf Wunsch Energiegutachten und können Ihnen genau sagen, welche Maßnahmen bei welchem Gebäude Sinn machen, um die Produktion von Treibhausgasen zu reduzieren.
– Sollten Sie Ihr Wasser über einen Durchlauferhitzer erwärmen, können Sie über die Umstellung auf Ökostrom bereits einen wichtigen Beitrag leisten.
– Überprüfen Sie Ihre elektrischen Geräte auf die Standby-Funktion und schalten Sie eventuell eine Steckerleiste mit An-/Aus-Schalter zwischen das Gerät und Steckdose. Die Finanztest weist darauf hin, dass bis zu 100 Euro Stromkosten durch Unterhaltungselektronikgeräte jedes Jahr im Wartezustand anfallen können.
– Entscheiden Sie sich bei dem nächsten Auto für einen Wagen, der sparsam ist oder vielleicht – wenn es kein sparsamer sein soll – zumindest für eine Auto, das in der CO2-Bilanz günstig liegt.




Laut, lauter, schwerhörig? Im Gespräch mit dem Tonmeister und Lautheitsexperten Askan Siegfried vom Norddeutschen Rundfunk
Buchtipp eBook: Digitaler Patientenratgeber erschienen
